Der gemeine GW Laden

Ein Einkauf im örtlichen Games Workshop Laden ist für einen Tabletop Spieler jenseits der 22 Jährchen eigentlich etwas, was sich im Zeitalter des Onlineversandes leicht vermeiden lassen würde.

Aber dank Versandkosten und der Tatsache, das man halt ein paar Tage warten muß bedingen zumindest einmal jährlich dort einen Besuch.

Letzte Woche war es wieder soweit. Ein genaueres Durchdenken der aktuellen Regeln und meines Armeebuches dank neuerwachter Lust auf Tabletop hatten das Ergebnis, das ein paar Euronen investiert werden sollten. Ein Blick in die Vitrine auf die Horden schwerstbewaffneter Miniaturen machten das fest.

Eine Streitmachtbox der Cadianer und eine Cadia Kommandobox mußten her. Leichte Infanterie für die Schlachten der 5. Edition wurden benötigt.
Also ab ins Auto und nach Nürnberg rein. Vorm Laden angekommen verfiel ich dann in mein übliches „ich muß da jetzt leider was einkaufen“ Verhalten.

In einer überfallartigen Kommandoaktion stürmte ich den Laden,ein genuscheltes „Tach“ meinerseits lief ich zügig an dem üblichen Haufen Jugendlicher zwischen 15 und 20 jährigen Kids vorbei, durch den in wohl jedem GW Laden vorherrschenden Schweißgeruch (selbst erlebt in Nürnberg, Bonn, Berlin) hindurch zum Regal mit der imperialen Armee.

Zwei schnelle Blicke, zwei schnelle Griffe, dann zurück zur Kasse. Im Laufen EC Karte rausgeholt, alles auf den Tresen gepackt. Dann noch ein Seitwärtsschritt und drei schnelle Griffe ins Farben und Kleberregal, fertig.

Natürlich war der Shop Mitarbeiter schon lange im antraben. Das Kerlchen kannte ich noch nicht. Ich blickte in ein höchstens 20 Jahre altes Babyface mit einer modischen Brille im Stile der 60er. Das unvermeidliche Red Shirt und das flaumige Ziegenbärtchen.

Innerlich stöhnte ich auf, oh nein, Jogi (der Chef) hat heute wohl frei.

Das Kerlchen piepste nach kurzem „Hi“ anstandslos meine Waren ab und steckte die EC Karte ins Lesegerät. Sollte ich tatsächlich davonkommen?

„Hat alles gepaßt, hast du alles gefunden?“
Gehetzt blickte ich auf. Ruhig bleiben, ganz ruhig. Diese Frage ist legitim und wird dir auch von deinen Klamotten- und Lebensmittelverkäufern gestellt.

„Danke, ich habe alles.“
Puh, dachte ich mir, Glück gehabt. Geheimzahl ist getippt, in ein paar Sekunden bin ich hier raus……….

„Ah imperiale Armee willst du anfangen, ja die sind momentan gern gespielt, hast du den Codex schon? Schau dir auch mal die neuen Valkyren an, die sind beliebt. Über Panzer solltest du auch nachdenken……“

Oh nein, es geht los. Warum? Warum? WARUM?

„Ich spiele die Imperialen schon, danke. Die Streitmachtsbox ist halt ne super Ergänzung, und günstiger als die Einzelboxen.“
„Ah du spielst schon, dann guck mal hier, wir haben am XY um Z Uhr einen Spielabend, steht hier alles im Flyer, Moment, ich kreuze es dir an..“
Mir schoß die Frage durch den Kopf ob ich wirklich so blöd wirke, das ich einen Spieltermin für mein Spielsystem auf einem tabellarisch gestalteten Flyer nicht finden würde, aber da schoß das Kerlchen schon die nächste Frage auf mich ab.

„Wie lange spielst du schon?“
Ich hatte folgende Antwort auf der Zunge: „Seit 15 Jahren, ausschließlich Imperiale Armee. Sprich, als du gerade deine Schultüte in die erste Klasse gekriegt hast, habe ich die ersten Schlachten der damals jungen, zweiten Edition geschlagen. Danke, ich brauche keine Tipps. Aber ich kann dir welche geben, wenn du sie bezahlen kannst.“

Das letzte mal als ich zu einem unterdessen nicht mehr dort arbeitenden Angestellten so was in der Art sagte wurde ich mit einem „ich weine gleich“ Gesicht belohnt, also lassen wirs.

„Sehr lange, über ein Jahrzehnt.“ Kam mir aus dem Mund.
„Oh super, wir haben Veteranenabende, einmal im Monat, da gibt’s dann auch was zu Essen im Laden. Locker quatschen und so und zocken.“

Ja genau, weil ich es ja als Auszeichnung verstehe das ich als Veteran dann das Privileg genießen darf, in diesem viel zu kleinen Laden, eingeengt zwischen den Regalen und einem dutzend Anderen neben dem Spieltisch mir Fast Food reinpfeifen zu dürfen.

Zum Verständnis, meine normalen Spiele finden in den Wohnungen des Freundeskreises statt, mit frisch zusammen kochen, zwei drei Bier und guter Mucke aus der Anlage.

Ich lehnte dankend ab und nahm die Tüte mit meinen Sachen in Empfang und wandte mich zum gehen. Aber da setzte der Gehirngewaschene JungGWler sein letztes Ass ein, um mich vielleicht doch noch dazu zu bringen, noch etwas zu kaufen:

„Wenn du einen Kumpel zum Hobby dazu bringst, kriegt ihr beide hier so coole Buttons.“ Sprachs und wies auf einen Pappaufsteller mit 4 winzigen Ansteckbuttons, lieblos designt und mit der Aufschrift „Hobby Helden“.

Das muß man sich mal vorstellen: Da rafft es ein JungGWler einfach nicht, das vor ihm nicht ein Kiddie mit zuviel Taschengeld steht, auf den er seine gerüchteweise mit Androhung von Folter eindoktrinierter „Bring die Kids dazu all ihr Geld hierzulassen“ Strategie unter zuhilfenahme nutzloser Gimmicks und dem Versuch in diesen Kids ein elitäres Bewußtsein durch das Tragen von solchen Buttons und Give Aways als Dreingabe hervorzurufen, steht zu betütdeln, sondern ein 31 jähriger Altspieler, der mehr Spiele in seinem Leben gespielt hat als alle an einem normalen Tag in einem GW Laden Anwesenden zusammen.

Ich will eure scheiß Buttons nicht, eure billigen „Medaillen“ wenn man bei euch Kampagnen spielt. Ich will auch nicht eure „Beratung“, die meistens so aussieht das ihr ahnungslosen Einsteigern vollkommen nutzlose Armeekompositionen aufschwatzt, nur damit sie 3 Monate später und nach einem Dutzend verlorenen Spielen das Richtige kaufen, ich will nicht mehr kaufen als das was ich auf den Tresen gelegt habe.

Ich weiß schon was ich tue, macht euch da mal keinen Kopf.
Wenn ihr mich wirklich locken wollt, dann verhaltet euch wie echte Einzelhändler die im Wettbewerb stehen.

Drei Einheitenboxen zum Preis von 2 zum Beispiel.
Sonderaktion wenn eine neue Figurenreihe rauskommt. 20% Einführungsrabatt für 2 Wochen z.b.
Oder Stammkundenrabattkarten zum Beispiel.

Ich habe den Laden fluchtartig verlassen, bis nächstes Jahr.

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